Welpenhunger

Welpenhunger

Zunächst soll mal das Frauli zu Wort kommen:
"Im Nachhinein kann man darüber lustige Geschichten schreiben. Fakt ist: Diese Vorfälle hätten allesamt schlimm enden können. Das Folgende dient also nicht ausschließlich der Belustigung sondern soll auch als Warnung dienen: Es kann sehr viel passieren, auch wenn man wirklich versucht, immer auf seinen Welpen aufzupassen!"

Der Käse

Mein erstes kulinarisches Erlebnis der besonderen Art hatte ich mir gegönnt, als ich ca. 3 Wochen bei meiner neuen Familie war. Ich war inzwischen so selbstsicher geworden, dass ich auch mal alleine im Haus und Garten umher gestreift bin. Es kam langsam Langeweile auf. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich ein außergewöhnlich anständiger Welpe war. Nicht ein einziges Mal habe ich auch nur ein Möbelstück schief angekuckt geschweige denn angeknabbert. Auch keine Textilien habe ich tot geschüttelt oder aufgerissen und noch nicht mal einen einzigen Schuh habe ich zerfleischt. Lediglich einmal hatte ich in die Küche gepinkelt und sonst war ich ein Musterwelpe der sich nie was Zuschulden hat kommen lassen. Somit habe ich vor lauter Frust ja mal was anstellen müssen. Auf meiner Entdeckungstour durch die Zimmer habe ich da nämlich was ganz besonders interessantes gefunden. Es roch nach Käse und sah aber so gar nicht danach aus. Es war ganz fein und relativ lang. Es ließ sich auch nicht zerbeißen. Ich dachte mir, was so gut riecht muss bestimmt mehr als gut schmecken. In dem Moment als ich es in mein Maul stopfte stand auf einmal mein Frauchen in der Tür. Sie hat sofort erkannt, was ich da ergaunert hatte und schrie laut "Aus!" (ich wusste überhaupt nicht, was damit gemeint war) und stürmte auf mich zu. Das hätte sie mal lieber nicht getan, denn ich dachte, sie will mir meine Beute streitig machen und schluckte alles schnell hinunter. Mein Frauchen kam und hat versucht noch in meinen Schlund zu langen um dieses Gutzi wieder herauszuholen aber es war zu spät. Meine Oma hatte einen Nylonsocken in den Abfalleimer geworfen und ich hatte mir diesen trotz Deckel auf dem Mülleimer geangelt. So, der Jammer war groß. Mein Frauli gab mir sofort noch was zu Fressen. Oma meinte, dass ich wohl nicht so krank wäre, solange ich noch fressen würde. Eine Arbeitskollegin meines Frauchens sagte, dass ihr Dackel Donni als Welpe sogar einen Tennissocken verschlungen hat und dieser auch auf normalem Wege wieder herausgekommen wäre. Naja, ich wurde gut gefüttert und bei meinem Gang auf die Toilette beim "bullern" immer besonders beobachtet. Einen Tag später kam der Strumpf dann tatsächlich zu meinem Poppers wieder heraus. Ich habe die Aufregung gar nicht verstanden aber es scheint, als ob alle anderen Beteiligten ein Problem damit hatten.

Der blaue Wurm

Bis heute hat noch niemand herausgefunden warum ich gerade so auf blau Sachen abfahre aber erstaunlich ist es allemal. Alle Familienmitglieder waren in die Pflicht genommen worden nichts herumliegen zu lassen. Eines schönen Sonntagnachmittags geschah es dennoch. Mein Anhang spielte Federball im Hof und ich war mitten drin. Alles war wie immer. Bis sich mein Frauli etwas zu trinken holen wollte. Herrchen Thomas setzte sich einen Augenblick auf die Gartenbank und Adrian spielte noch ein wenig mit mir. Julia hatte einen ganz besonders schönen Haargummi; er war dick und mit hellblauem Fusselstoff umhüllt. Diesen hatte sie auf die Fensterbank gelegt, damit sie ihn später wieder um ihr Haar binden konnte. Adrian sah diesen Haargummi und legte ihn sich um sein Handgelenk. Ich aber hatte den Gummi (für mich war es eben ein blauer Wurm) bereits viel früher gesehen und kam aber nicht auf die Fensterbank. Als Adrian so dastand und nach den Federballschlägern schaute, sprang ich schnell hoch und riss Adrian (natürlich ohne auch nur ein Härchen an ihm zu verletzen) den Haargummi vom Handgelenk und schluckte ihn blitzschnell hinunter. Adrian war total überrumpelt (sag noch einer ich wäre langsam!). Als Julia kam und Adrian ihr sagte was passiert war, fing sie an zu schimpfen und erzählte es sofort meinem Frauli. Diese wurde ebenfalls sofort stocksauer und schimpfte auch auf Adrian ein. Der arme Kerl wusste gar nicht was er verbrochen hatte und schilderte nochmals was geschehen war. Keiner glaube ihm. Das könnte evtl. daher kommen, dass Adrian auch nicht gerade ein Kind von Traurigkeit und mit allen Wassern gewaschen ist. Er ist sich auch für keinen Streich zu schade und meist trifft es mit ihm gerade den richtigen wenn Schimpfe auszuteilen ist. In diesem Fall war ich aber nicht schlau genug. Die Nachbarin hatte meine Aktion nämlich beobachtet und half Adrian aus dieser misslichen Situation heraus. Vor lauter Sorge bekam ich natürlich dennoch nicht geschimpft. Es war sowieso zu spät um noch etwas zu unternehmen. Also wieder viel Futter und strengste Beobachtung beim "bullern" in den nchsten 2 Tagen.

Die blaue Geleemasse

Das 3. und vorerst letzte Mal, dass ich mir einen kulinarischen Ausflug zu eigentlich nicht essbaren Dingen geleistet habe, war an einem Freitag Abend. Der Club stieg nicht ab und das bedeutete, dass eine Wette gewonnen war und ein Grillabend mit Fassbier bei meinen "Paten" stattfand. Adrian hatte Luftballons und machte draus schon am Nachmittag viele schöne lustige Wasserbomben. Im Laufe des feucht-fröhlichen Abends gingen einige von diesen Wasserbomben komischerweise kaputt. So im vorbei gehen lag dann ein dunkelblaues geleeartiges Gebilde im Gras, das mir gleich riesigen Heißhunger machte. Ich also nicht lange gefackelt und runter damit. Adri bekam wieder eine Standpauke und ich konnte wieder 2 Tage lang nur unter strenger Beobachtung aufs Töpfchen gehen.


Ständig ging das so weiter. Das kann einen ganz schön nerven und in der dringend benötigten Konzentration stören. Das könnt ihr mir ruhig glauben.



Inzwischen habe ich gelernt, was der Befehl "AUS" bedeutet. Es war wie man oben unschwer erkennen kann dringend notwendig. Ich befolge das Kommando nicht immer (z. B. wenn ich meinen Ball hergeben soll) aber bei den letzten zwei Mäusen die ich gefangen habe, hat es hundertprozentig funktioniert. Außerdem weiß ich inzwischen, dass Frauli mein Futter nicht mag und mir keine Beute streitig macht.
So, das wars jetzt erstmal von mir. Frauli möchte aber nochmal was loswerden:

"Solche Vorkommnisse sollte man als Hundebesitzer eigentlich vermeiden können. Diese Erfahrungen sollen evtl. auch anderen helfen, ihr Heim einigermaßen sicher für ihren Welpen zu machen".

Wuff-wuff-wuff (ICH hab immer den letzten BELLer)! ;-)

rocky