Die Röhre

Die Röhre
- oder wie weit würdet ihr gehen um mich zu retten?

Meine beiden Chefs (sie glauben zumindest sie wären es und ich lass sie gerne in dem Glauben und das hat nur Vorteile für mich) machten eines Tages einen schönen Abendspaziergang in den Streubicht. Ich war natürlich ohne Leine, denn ich lauf eigentlich kaum weg, ich bleibe sogar meist auf dem Weg und wandere nicht in Felder ab. Lediglich wenn mal ein Häschen meinen Weg kreuzt bin ich kaum mehr zu halten. Aber selbst dann komm ich innerhalb von 1 Minute wieder zurück, denn ich muss ja schließlich auf mein Rudel aufpassen. Also, wir sind dann so gelaufen und meine zwei Quasselstrippen haben sich ständig unterhalten und haben ihre Aufmerksamkeit auf alles Mögliche gerichtet nur nicht auf mich. Ich lief immer schön vor ihnen her und hab die Gräben neben dem Pflasterweg erkundet. Auf einmal sah ich eine wunderschöne Röhre und ich erinnerte mich dunkel daran, dass ich ja der Rasse Foxterrier angehöre.

Hier ein pFoto von der Röhre:


Jedenfalls, Fox-Terrier, das heißt doch: Fuchs (Fox) Erd (Terrier = Terra = Erde) Hund. Auf Deutsch: Ich bin wie geschaffen um in irgendwelche Fuchsbauten, Höhlen, Röhren und so ein Zeugs zu kriechen. Ich also nicht lange gefackelt und vor allem nicht lange gefragt und rein in die Röhre. Mein Frauli hat gerade noch mein Hinterteil verschwinden sehen. Sie hat sich aber noch keinerlei Gedanken gemacht. Die Röhre war höchstens 2-3 Meter lang und sie hatte schon einmal mit größter Angst erlebt, wie ich eine Röhre von ca. 10-12 Metern durchsucht habe (natürlich von vorne bis hinten) und auch da bin ich wieder herausgekommen. Jedoch diesmal wartete sie vergebens. Ich kam nicht heraus. Sie machten sich immer noch keine großen Gedanken, denn ich schnüffle ja für mein Leben gerne und dabei vergesse ich oft die Zeit. Sie dachten, ich bin irgendwo in diesen 2-3 Metern auf eine interessante Hinterlassenschaft gestoßen und verweile dort (d. h. beschnüfflen und "markieren").

Irgendwann wurde ihnen dann aber doch etwas komisch, denn solange kann nicht mal ich zum Pippi oder zum Bullern brauchen. Also schaute mein Herrchen auf der einen Seite und mein Frauli auf der anderen Seite der Öffnung in die Röhre. Und: ...was sahen sie??? Sich selbst! Kein Rocky weit und breit! Nach mehrmaligem Rufen sahen sie ab und zu mal mein Köpfchen erscheinen und bemerkten, dass in der Mitte der Röhre offenbar ein Schacht existiert, in den ich gefallen war. Das hieß: PANIK! UND ZWAR BEI UNS DREIEN. In solchen Situationen dreht mein Frauchen grundsätzlich am Rad (und kriegt dann gar nix mehr auf die Reihe) und Herrchen bleibt die Ruhe selbst. Er fängt sofort an einen Plan zu machen und die Rettungsaktion zu koordinieren. Also wurden folgende Aufträge verteilt:

Zunächst Ball an der Leine festhalten und versuchen den Ball zu mir in die Röhre werfen, damit ich ihn schnappe und man mich daran herausziehen kann. Mehrere Versuche...Ergebnis: Fehlschlag! Ball an der Leine und an der Lederausführleine befestigen und damit versuchen Rocky zu erreichen. Rocky muss sich daran festbeißen und dann wird er herausgezogen. Hat fast geklappt. Ich hab meinen Part natürlich mit Bravour erfüllt. Leider riss die Verbindung zwischen Ball an der Leine und Lederführleine ab und der Ball mit Leine landete bei mir und die Lederleine bei meinem Herrchen. Naja, zumindest war ich jetzt nicht mehr ganz alleine in dem Loch sondern hatte mein liebstes Spielzeug bei mir. Angst hatte ich trotzdem schon ein wenig. Also kam Plan B zum Einsatz:

Frauchen Tüte mit Würstchen und Käsestückchen öffnen, ständig mit Rocky reden und ab und zu ein Leckerli runterwerfen, damit Rocky an Ort und Stelle bleibt und nicht einen unterirdischen Spaziergang macht. (Tipp: So kommt man zu den besten Gutzis, die einem sonst verwehrt bleiben). Herrchen rennt nach Hause (ca. 2 Kilometer) und holt Schaufel, Pickel, Dynamit und sonstiges Werkzeug. Für mein Frauchen dauerte es eine Ewigkeit und Herrchen wurde ziemlich heiß, denn er rannte was er konnte. Er kam dann mit seinem Transporter angefahren und hatte alles dabei was zu meiner Rettung nötig war. Zunächst wurde dann mit dem Pickel und der Schaufel die Grasnarbe über dem Rohr entfernt. Was dann zum Vorschein kam, ließ die beiden erst mal erschaudern: Massiver Beton. Mein Frauchen (typisch...sieht immer alles erst mal negativ) sagte: "Oh Gott, das ganze Rohr besteht aus massivem Beton, da haben wir niemals eine Chance, da kommen wir nie durch".

Inzwischen kam der Pate meines Frauchens ebenfalls mit dem Auto angefahren. Er hielt an und fragte was los wäre. Herrchen hatte inzwischen soviel Gras entfernt, dass er einen Ring in dem Beton fand und feststellte, dass es sich um eine Platte handelte, die das Rohr offenbar abdeckte. Mit vereinten Kräften (inzwischen waren es ja Gott sei Dank zwei starke Männer und ein starkes Frauchen) wurde die Platte angehoben. Es war die Abdeckung des Schachtes in den ich gefallen war. Die beiden Rohre mündeten von rechts und links direkt in den Schacht. Der Schacht war ca. 1,5 - 2 Meter tief (Herrchen behauptet immer er wäre bestimmt 2-3 Meter tief gewesen, aber ich glaube das ist doch etwas übertrieben). Ich war zitternd am Boden und heilfroh, dass endlich einer kam, der mir hier raus half. Nun gut, ich hatte bestimmt für 1-2 Tage daraus gelernt (länger sicher nicht). Mein Frauli vergaß die Geschichte aber nicht so schnell und ich durfte mindestens für 1 Jahr nicht mal an einem Rohr ran riechen. Inzwischen bin ich wieder so weit, dass sie höllisch auf mich aufpassen muss, damit ich nicht sofort in alles rein laufe, was wie eine Röhre aussieht. Aber dafür bin ich halt nun mal wie geschaffen. Allerdings ist mein Frauli etwas beruhigt. Ich bin nämlich ein Stück größer als mein Rassestandard und sie denkt, dass ich eben nicht in alles rein komme in das ich gerne reinkriechen würde. Was sie nicht weiß: Ich kann mich ganz schön klein machen wenn ich will und eins ist klar: Wenn ich will, dann will ich und ich bekomme immer was ich will. Wäre das nicht so, wäre ich kein Foxl.

So, das war die Geschichte mit der Röhre. Auf zum nächsten Abenteuer, man soll sein Rudel nämlich grundsätzlich nie zur Ruhe kommen lassen.

rocky