Der Kampf

Der Kampf

Ja, der Kampf hat mein Leben ganz schön verändert. Es war im August 2004. Da bin ich (vielleicht nicht ganz unschuldig) in der Hundeschule an ein paar größere Hunde geraten. Einer von ihnen hat mich in meinen Oberschenkel gebissen. Das tat vielleicht weh. Ich konnte dann nicht mehr mit meinem schönen rechten Hinterbeinchen auftreten. Mein Frauchen meinte noch: "Naja, jetzt übertreibe mal nicht ganz so. Man kann überhaupt keine Verletzung feststellen".

Aber dann, am nächsten Tag, war es ganz offensichtlich, dass doch irgendwas nicht in Ordnung war. An einem Samstag mussten wir dann also zu Dr. Götz. Seine ersten Worte waren dann: "Oh, das war aber ein großer Hund." Tja, ich hatte einen großen Bluterguss und eine Muskelquetschung und wer weiß was noch. Ich bekam Medizin und Ruhe verordnet (ha, das war eine Aufgabe für mein Frauchen - ich kann euch sagen!). Leider wurde es aber nicht besser. Immer wenn wir glaubten, es ginge etwas leichter mit dem Laufen, dann geschah etwas Schlimmes (z. B. rutschte ich auf Glatteis aus) und schon war der kleine Erfolg wieder weg. Am 09.03.2005 wurden dann endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Ich wurde unter Drogen gesetzt und mein Innerstes wurde durchleuchtet. Dann die Diagnose: ARTHROSE. Das war vielleicht erst mal ein Schlag mitten ins Gesicht. Mein Frauchen war ewig traurig. Mein Herrchen war schockiert. Sie wussten nicht, wie man mit so einer Krankheit umgehen soll. Alles was sie darüber wussten war, dass man das nicht heilen kann.

Ich bekam also wieder Medizin und Frauchen machte sich daran Infos zu sammeln. Ich bekomm jetzt immer so Pulver ins Futter (das Beste daran ist allerdings, dass ich dann Nassfutter bekomme und nicht mein gewöhnliches Trockenfutter mampfen muss) und ab und zu, wenns schlimmer ist bekomme ich so Homö.. (das kann ja keinHund ausbellen)...Dingsbums-Tabletten. Da ist mir auch nur eines wichtig dabei: nämlich, dass die Tabletten immer in was Leckerem drin sind. Entweder in Streichwurst, in Käse oder in Würstchen. Hin und wieder wird Frauchen allerdings sauer, wenn ich auch aus dem dicksten Stück Wurst drumherum die Tabletten mit der Zunge oder den Zähnen rausfiesle und sie dann ausspucke. Dann kriegt sie ihren Rappel, öffnet mir mit sanftem Druck mein Schnäuzchen und schiebt mir die Tabletten pur (ja, ich sagte: PUUUUR!) ganz hinten in den Hals hinein. Da muss ich dann immer Schlucken und schon sind die Tabletten weg. Naja, das geschieht relativ selten, weil meist lasse ich mich herab und futtere sie mit den guten Feinerchen Drumherum hinunter.

Meine Gehprobleme wurden allerdings trotz Medizin nicht sonderlich besser. Mein Frauchen hat dann nochmals bei der Hundetrainerin angerufen und nachgefragt, was man machen könnte. Sie bekam dann die Telefonnummer einer Physiotherapeutin (sagt man da Masseuse?????:-)). Nachdem diese dann ca. 4-5 x bei mir war und sie das Glück hatte, dass ich sie beim ersten Mal nicht gleich zerfleischt habe (beim 2., 3..... mal hab ich gemerkt, wie gut mir das tut), konnte ich auf einmal wieder richtig gut laufen. Mein Frauchen schaut nun immer, dass ich richtig trabe, damit meine Muskeln auch an dem kaputten Bein gut aufgebaut bleiben und meine persönliche Frau Massagengeberin kommt hin und wieder noch um mich mal genauer anzusehen.

Im Juni 2005 hatten wir einen kleinen Rückfall. Irgendwie ist mitten unterm Laufen einfach der Knochen aus dem Pfännchen gehüpft. So muss es zumindest gewesen sein. Er war aber gleich wieder drin aber ich hatte wieder Probleme bzw. Schmerzen beim Gehen. Es war aber ziemlich schnell wieder alles gut. Vor dem Winter haben wir immer ziemliche Sorge, weil bei Kälte die Probleme schlimmer werden. So hab ich halt gesundheitsmäßig auch mein "Päckchen zu tragen". Mein ganzes Rudel passt seither beim Spielen und Rumtoben auf, dass ich es nicht übertreiben kann und wenn ich bei meinem allerbesten Freund Herbert zu Besuch bin, legt er immer die ganze Wohnung mit Teppichen und Läufern aus, damit ich auf seinem Parkett- und Laminatboden nicht ausrutschen kann.

In eine Hundeschule bin ich jedenfalls nicht mehr gegangen. Auch wenn es für mein soziales Verhalten vielleicht besser gewesen wäre. Das Risiko, dass ich mal wieder zwischen fremde Zähne komme, weil ich ja auch nicht weiß, wie ich mich benehmen muss, gehe ich nicht mehr ein (ich dachte ja immer ich bin ein 60 Kilo Hund gegen den kein Großer eine Chance hat). Leider kann ich halt jetzt viele Sachen nicht mehr so fröhlich und ungezwungen machen wie früher. Da wäre z. B. das Ball spielen und einige meiner Kunststücken. Das find ich weniger toll. Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich sogar noch etwas mehr verwöhnt werde als vor dem "Kampf". Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass das noch steigerungsfähig wäre, aber selbst ich kann mich ja mal täuschen und so hat das ganze doch sein Gutes.

Im Februar 2006 und an Pfingsten 2010 bin ich dann noch von Nachbarshund Knut ganz arg gebissen worden. Das hat die ganze Sache noch verschlimmert. Äugt hier: *Der feige Biss*

Als ich dann meinen Wikingerkumpel Rasmus kennengelernt habe, hat er mir mit einem Medikamententipp prima geholfen. Das Zeugs heißt Seraquin und ich bekomme seit langer Zeit frühmorgens eine Tablette davon. Die Dinger schnabulier ich freudig weg, denn sie schmecken sogar richtig gut! ;-) 

rocky